Nachtrag zum Ausflug durch das Oderbruch ins Theater am Rand im September 2016

 

Mit gut besetztem Bus via Landstraße an die Oder für einen Theaterbesuch am Nachmittag. Die Tour mit der Firma Eick und einem sehr guten Fahrer ging dabei zunächst über die alte Reichsstraße 1 vorbei an Müncheberg nach Seelow, wo wir Station einlegten. Über Schloss Gusow und Letschin steuerte ich dann das Schul- und Bethaus in Wuschwier, einem Ortsteil von Neutrebbin an, wo eine Dame aus der Gemeinde uns einige einführende Worte gab. Nächster Halt in Wriezen - eine besonders hart von den letzten Kriegsereignissen 1945 getroffene Stadt. Kurz vor der Ankunft im Essens- und Aufführunsort an der Oder/Zollbrücke besichtigten wir - durchfahrend das besonders schöne Dorf Altwriezen. Aber mein Ziel war es, vorrangig von den Kriegsereignissen und -geschehnissen zu erzählen und einen lebendigen Eindruck von den noch immer sichtbaren Spuren zu ermöglichen. Das Mittag-essen gabs in der alten Dammmeisterei direkt hinter dem Oderdeich. Ein neue Gaststätte mit jungem Chef, der seine Sache gut versteht. Um 14.30 saßen meine Gästen auf ihren Plätzen im Theater am Rand, das ausverkauft war. Es war eine Veranstaltung für Gruppen - und somit der Alterdurchschnitt sehr hoch. Reagiert wurde auf das Stück recht zaghaft. Vielleicht war mehr Amüsement erwartet worden?  Es war zwar unterhaltsam und spannend, aber natürlich bei diesem Thema auch etwas ernst und düster.  Die Schauspieler Rühmann und der Musiker Morgenstern stellten in einer szenischen Lesung den Roman "Empfänger unbekannt" von Katherin Kressmann-Taylor vor. Es geht um zwei Geschäftsfreunde, die sich während des aufkommenden Nationalsozialismus und Antisemitismus von einander entfernen, entfremden, schließlich verfeinden und bis aufs Messer bekämpfen. Allerdings inform von Briefen. Wie das funktioniert und das Publikum in seinen Bann zieht, kann man vor allem durch Selbstlektüre des Romans erleben. Die Lesung in Zollbrücke ist selten auf dem Plan - hat mich aber überzeugt.

Wie überhaupt für mich das private Theater am Rand eines der großen kleinen Wunder in unserem Land ist. Ein engagierter Spielplan, frische Ideen, sympatische Köpfe, wertvolle Gastspiele in einem architektonisch verrücktem - zirkusartigem Bühnenort.

Nach Vorstellungsschluss waren noch ein paar Minuten Zeit um an die Oder zu laufen oder ein Eis zu schlecken... Zollbrück bietet - anders als andere Orte im Oderbruch - dem Besucher viel. Es herrscht eine gute Athmosphäre, wenn Touristen mit klaren Zielen kommen. Verdient gemacht um den Fortschritt hier am Rand der Republik haben sich hier vor allem die Macher des Theaters und ihre Verbündeten. Ein besonderer Ort, leider auch ein seltener.