Pilze Ziegen Vogelzüge  -  ein Ausflug ins Havelluch. Bericht vom 10. März 2017

So schlecht wie es im Titelbild scheint, war das Wetter garnicht, aber die Aufnahme zeigt etwas Charakteristisches der Luchlandschaft. Weite, Ruhe, Himmel. Landwirtschaft. Anwesenheit des Menschen, ohne den Menschen zu sehen...

Ich habe diese Wanderung, sie war nicht lang, etwa 7km, mit zwei Besuchen kombiniert. Am Anfang in der "Havelland- Champignon" und am Ende in der Karolinenhof-Ziegenkäserei. Die Pilzzucht ist im Randdorf Tietzow (Rand des Havelluchs ist die Landschaft Glin). Die Führung durch einen der dort tätigen Landwirtschaftsingenieure hat voll meine Erwartungen erfüllt. Die Firma Dohme, die auch Bio-Produkte herstellt, ist auf dem Markt bekannt als Produzent von Kultursubstrat und als genereller Pilzhändler. Natürlich - der Gründer stammt aus den alten Bundesländern. Gab es in der DDR  überhaupte Kultur-Champis?

Was ich auch nicht wusste: Die Pilze werden in Horden übereinander gezüchtet und diese Stapelung steht füt die Ernte nur 2 Wochen bereit. Dann wird alles entsorgt und die neue Anzucht kommt in die Erntehallen gefahren. Kultursubstratherstellung, Anzucht und Ernte streng getrennt. Und während die ersten Prozesse noch überwiegend maschinell bewältigt werden können, findet die Ernte in Handarbeit statt. Überraschend auch, dass dies ausschließlich polnische Nachbarn machen, und fast nur Frauen, die hier neben der Pilzaufzucht in Wohnheimen leben. 

Das lässt einen schon in Gedanken versinken.... und dafür war dann der weitere Gang des Ausflugs auch gut geeignet, denn, siehe oben, es ging zu Fuß gemächlich zwei Stunden durchs Luch. Schließlich über einen Acker abgekürzt zur Ziegenfarm bei Kuhhorst. Unterweg gabs durchaus auch die angekündigten Vogelzüge. Vor allem sahen wir in den Lüften Kraniche, im Acker hier und da die leuchtenden Flecke der Schwäne. Auch die ersten Lerchen wurden gesichtet und gehört. Sehr viele Rehe flohen vor den unheimlichen, weil unmotorisierten Zweibeinern.

Die Ziegenfarm nun war unverändert, ich kenne sie schon ein paar Jahre, und komme besonders gern. Als eine große Familie scheinen die Ziegen hier zu leben, gemeinsam mit ihren Kindern, die gerade jetzt in dem schönsten Alter sind und unbeschwert zwischen den Alten umhertollen. Was müssen die Tiere hier leisten? Sie müssen Milch geben, denn der Hof ist eine Meierei. Was passiert mit den als Böcklein geborenen? Auf der Speisekarte stand Gullasch und Eintopf mit Ziegenfleisch....

Das seit einigen Jahren gut angenommene "Wiesencafé" unweit der Ställe ist eine Gaststätte, die ich garnicht so bezeichnen mag, weil sie auch eine außergewöhnlich familiäre Athmosphäre hat. Man sitzt zudem dort noch sehr gut, schaut vollverglast in die weiten Äcker und Wiesen, ab und an fliegt ein Kranich vorbei oder ein Lächeln der Kellnerin - die man eigentlich auch nicht so nennen möchte. Ja, ich bin ein wenig verliebt in diesen Ort ... Und wieder war der Kuchen das Beste. Nirgendwo bekommt man so einen Streusel-Käsekuchen! Und ich kenne mich da aus. Salat, Spätzle, Gullasch, die Speisen also, haben nicht im selben Maß begeistert.

Der Rest des Tages ist schnell berichtet: Mit einiger Mühe gelang es ein Taxi zu bekommen, dass uns 8 Leutchen nach Nauen fuhr, wo stündlich die Züge aus Wittenberge über Spandau nach Berlin fahren. Ein Minigang durch Nauen wurde noch eingeschoben, weil das Warten auf dem Bahnhof von Nauen eine Zumutung wäre. Der Anblick von Alt-Nauen und die Stimmung dort erwies sich als positive Überraschung. Alles saniert, die Läden am Leben, gepflegte Wege....

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Ich glaube, sie liebt mich....