Bericht über den Ausflug "Pfeffer und Salz".

Donnerstag, 10. 2. 22

Nur 20 km vor den Toren Berlins kann man Stunden unterwegs sein, ohne einem Menschen zu begegnen! Das war für mich die Sensation des Tages. Das habe ich ewig nicht erlebt. Ich will gar nicht werten, ob das gut oder schlecht sei. Es war einfach erstaunlich. Das Wetter war dabei sehr gut, die Sonne schien anfangs wärmend und wir waren falsch angezogen (was sich gegen Ende änderte). 

Für diese Wanderungen (wir war 10 Personen) wird in die Kleinstadt Trebbin gefahren, mit dem Regionalzug. Vom Bahnhof mussten wir ein Taxi nehmen, um in einen Trebbiner Ortsteil zu kommen.

Ein reguläre Buslinie gibt es nicht (was ich unmöglich finde. Erst werden die Dörfer eingemeindet, und dann abgeschottet).  Es gibt aber einen Rufbus. Dieser hat 6 Plätze. Kein Witz. Noch schlimmer. Die Pandemievorschrift besagt, er darf nicht alle Plätze füllen, konkret nur 4. Dieser Rufbus nennt sich "Kranichlinie". Als wir aus Taxi und Rufbus stiegen, empfingen uns wirklich die Rufe dieser Vögel. Stangenhagen liegt dicht an der sumpfigen und hier Flachseen bildenden Nieplitz. Und hier vor dem Dorf vereinigt sie sich mit ihrem wasserreichsten Nebenbach, der ebenfalls von Süden kommt, dem Pfefferfließ. Und diesem galt - siehe Titel - die Wanderung. Aber nur ein paarhundert Meter kann man direkt am Bach laufen, gleicht die ersten, bzw. die letzten Meter, denn es sind die letzten vor der Mündung. Die ganze Landschaft ist ein ziemlich großes Delta aus Seen, Sumpf und nassen Wiesen. Deshalb auch kann niemand wirklich am Fluss laufen. Mein Wanderweg führt über die begleitenden Moränenhügel, meist mit Wald bewachsen aber immer wieder reizvoll den Blick freigebend auf die Niederungen.

Sie sind alle wie Parklandschaften. Nicht bewachsen mit Bäumen oder Sträuchern, kein Auenwald. Sondern durch die Nutzung als Viehweide eine freie Landschaft. Die Nutzung ist hier im Herzen des Naturparks Nuthe-Nieplitz allerdings sehr eingeschränkt. Dem Verein, der dem Naturpark quasi vorsteht, ist es gelungen, naturnahe Konzepte durchzusetzen, die nur eine der Natur angepasste Landwirtschaft gestatten. Anderthalb Jahrhunderte war es anders herum: Die Natur wurde für die Gewinne in eine Form gepresst, ausgepresst. Nun sind die "Verbesserungen", diese Meliorationsmaßnahmen, hier am Pfefferfließ vielerorts wieder rückgängig gemacht worden. Die Wiesen wieder vernässt. Es entsteht zum Beispiel - deutlich sichtbar - neu der Stangenhagener See.

Unser eher idyllischer als lehrreicher Weg führte immer mal wieder an die alten Gräben. Den Strass -Graben, den Pfeffergraben. Kleine oder auch große Brücken (für die Erntetechnik von Damals) führen darüber. Auch ein Haus, eine wie verlassen erscheinende Försterei liegt am Weg. Jedoch kreuzten wir zweieinhalb Stunden keine einzige Straße. Es gab keine Autos, keine Flugzeuge, keine Windräder.

Dafür Kraniche und Schwäne. Pause war unmittelbar vor einem Schwanensee des Pfeffergrabens.

Schade, dass es zu sumpfig war, um etwas von den Salzgräsern für unsere Suppe zu besorgen. Salziges Grundwässer gibt es hier an einigen Stellen. Früher kannte das Wild und die Bauern diese Stellen. Heute ist es die Naturwacht des Parks, die sie wieder entdeckt und neu beleben will.

Unsere Pause nun war gleichzeitig die Einkehr. Da es hier um diese Zeit keine Gaststätte gibt, haben wir, meine Partnerin Lena und ich, das Picknick selbst zubereitet. Lena hat die Suppe gekocht, ich den Kuchen gebacken. Lena hat alles hergefahren. Die letzten zwei Kilometer mit einem Kinderanhänger zu Fuß. Gerade rechtzeitig konnte sich die Gruppe vom schönen Platz losreißen und aufbrechen, um dann in Rieben den (echten) Linienbus nach Potsdam zu besteigen. Das Dorf Rieben gehört nicht nur zu einer anderen Stadt, nämlich Beelitz, es gehört auch in einen anderen Landkreis. Wir sind also von Teltow-Fläming nach Potsdam-Mittelmark gewandert.

Pfefferfließ bei Stangenhagen
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Pfefferfließ Richtung Süden
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Knorrige Eiche
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Weide am Weg
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Steg für die Wanderer
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Kranichpaar
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Picknick
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Weite Sicht
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Letzter Kilometer
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