Der Platz der Solidarität in Stettin. Gedenken für die Opfer der Demonstration. Im Hintergrund das Polizeipräsidium und die "Filharmonia"

Stettin und das Haff

Freitag, 25. Bis Sonntag 27. August

Spätsommerreise in die Hauptstadt Westpommerns in Polen und in die Geschichte der einst wichtigsten Hafenstadt für Berlin.

Wir Berliner reisen heutzutage sehr umständlich nach Stettin, unfassbar langsam, und an diesem Wochenende auch noch Chaos durch Reparatur-Baustellen und Sommer-Wochenend-Reiseverkehr.

Dennoch war zum Ausruhen von der Fahrt keine Gelegenheit – gleich begann am Freitagmittag eine Stadtführung und eine Besichtigung der neuen Philharmonie in Stettin. Dann ging es zum Essen in den Keller des einstigen Rathauses. Sehr gut! Überhaupt ist dieser Platz einer der interessantesten in der Stadt und im Besonderen die Rekonstruktion des Rathauses durch die Polen ist sensationell, denn hergestellt wurde nicht der Vorkriegszustand sondern die Vollendung des Hauses in der Spätgotik. Das Haus erhielt dabei nicht nur eine gute Form, sondern auch neuen Inhalt (den es in deutschen Zeiten nicht gab): Das Stadtmuseum und ein Ratskeller mit eigener Brauerei. Ein Muss für jeden Besucher! Unser Nachmittag verging dann schnell. Wir nahmen das letzte Hafenrundfahrt-Schiff und schlenderten dann im beginnenden Abend über die berühmten und beliebten Haken-Terrassen

Unser Hotel lag genau dort und ich habe die Entscheidung das Focus-Hotel zu buchen nicht bereut, wenngleich das Restaurant dort nicht optimal ist.

Der Sonnabend galt noch einmal Stettin, vormittags dem Zentrum mit der Neustadt des 19. Jahrhunderts, dass endlich wieder belebt ist mit Gaststätten und Kultur. Zerstört wurde es im Krieg nur geringfügig und wir können hier eine ganz besondere Gründerzeitstimmung kennenlernen.

Ich wählte den Weg so, dass wir nach einem zweiten kleinen Frühstück in einem der vielen, leckeren Stettiner Konditoreien auf kürzestem Weg mit der TRAM zum Zentralfriedhof fahren konnten, um dort eine kurze aber eindrucksvolle Runde zu drehen. Die deutsch-Polnische Ruhestätte liegt auf einem einstigen Militärfriedhof bzw. einer preußischen Festung. Der deutsch Anteil wurde erst in den letzten 10 Jahren gewürdigt und einst mut- und böswillig zerstörte Grabanlagen wurden denkmalpflegerisch wiedererrichtet.

Zum Mittagessen ging es an einen besonderen Ort: An den Stadtrand an der anderen, östlichen Oderseite. Hier liegt das Hotel Panorama, dass man nach fast zwei Kilometer Fußweg vom Bus 61 erreichen kann. Ich entschied, für diesen Tag keine Sonderbusse zu nutzen sondern den öffentlichen Nahverkehr, denn dieser ist vorbildlich in Stettin, auch am Wochenende. Das Hotel brachte uns allerdings in Schwitzen, denn es liegt in den Bergen der „Buchheide“ – Stettins Ausflugs- und Endmoränenlandschaft. Ausgeruht haben wir dann in ziemlicher Hitze noch einen zweiten Spaziergang gewagt, denn unweit liegt der hier sehr beliebt Smaragd-See, eine einstige Kreidegrube, die heut ein Ausflugsgebiet ist. Traurig allerdings, dass es hier kein Restaurant mehr gibt.

Mit dem Bus und einer flotten Straßenbahn gings dann wieder in die Altstadt, wo jeder noch Zeit hatte, den Abend für sich zu gestalten oder eine Besichtigung zu vertiefen.

Der Sonntag war nicht nur der Abreisetag, sondern auch der Besuchstag des Stettiner Haffs. Schon um 9 Uhr startete unser Bus (diesmal extra angemietet) für einen Kurs in den Norden Stettins. Man kommt durch einstige Dörfer, die allerdings schon zu deutschen Zeiten eingemeindet waren und allesamt eine eigentümliche Kombination von Ausflugsort und Industrie darstellen. Letztere bedingt durch die Odernähe und dadurch preiswerte Transportmöglichkeit. Im Ortsteil Frauendorf steht an idealer Stelle ein Aussichtsturm, der einst als Bismarkwarthe gestaltet war. Leider ist auch dieser Ort nicht nutzbar, da die Behörden den Turm zwar zwecks Einrichtung einer Gaststätte verkauften, aber nicht auf die Erfüllung der Aufgabe drängten. Unweit von hier liegt das Industriestädtchen Pölitz, dass sicher schon einmal bessere Zeiten gesehen hatte. Das gleiche mag für das Nachbardorf Jassnitz gelten, wo einst eine prächtige Augustinerkirche stand und in den Klostergebäuden ein Jagd- und Ausflugsschloss eingerichtet war.

Ich habe gelesen dass der nächste Ort unserer Reise ein Ausflugsort der Stettiner ist. Davon war allerdings nicht zu merken. Das Dorf  „Ziegenort“ hatte zwar einiges in die Urlaubsinfrastruktur investiert, doch von Feriengästen, die sonst in Scharen die Küste bevölkern war kaum etwas zu merken. Die einstige Segelschule war geschlossen, das Ausflugsrestaurant an der Mündung der Oder ins Haff verwaist und öd. Was für ein schöner Ort! Warum interessiert er die Investoren nicht?

Fährt man weiter westwärts, also weiter weg, ändert sich das paradoxer Weise. Schon im nächsten Dorf sieht alles Schmuck aus und es gibt einen lockenden Spazierweg von 5km am Haff entlang bis nach Neu Warp.

Dorthin kamen wir allerdings mit dem Bus und nutzen das ausgesprochen hübsche Kleinststädtchen für einen Rundgang. Man hat auch hier investiert und einen Steg rund um die alte Stadt gebaut, die auf einer schmalen Landzunge mitten in einer Ausbuchtung des Stettiner Haffs liegt, dem Neuwarper See.

Für die letzte Etappe mussten wir diesen schließlich umfahren mit unserem Bus. Eine Fähre ließ sich nicht sehen und auch das Schiff „Lütt Matten“, das sonst ab und an nach Altwarp in Deutschland hinüberfährt, hatte wohl Pause. Bedauerlich, dass es die Fähre in Neuwarp nicht mehr gibt.,…

Zu guter Letzt gab es noch eine Kaffee-Einkehr im Riether Winkel. Eine abgelegene Gegend, die ich genau deshalb aufgesucht habe. Wann kommt man schon hier noch einmal so einfach hin. Gerade noch rechtzeitig bekamen wir (unangemeldet!) Kaffee und Kuchen in der inzwischen recht bekannten „Klönstuf“, die allerdings sonntags in der Saison bereits um 17 Uhr schließt und mit fast null Personal auskommt. Auch hier etwas Erstaunliches: Es gibt recht viel Publikumsverkehr in dieser nordöstlichsten Ecke Deutschlands….

Unser Rückstart war von Ueckermünde geplant, wo wir bei schönstem Wetter noch einen kleinen Stadtspaziergang machen konnten. Die Stadt hat ebenso wie ihre Konkurrenz in Polen manches für die Touristen investiert. Neben dem sanierten Alten Bollwerk gibt es ein attraktives Neues Bollwerk und die Altstadt, die im Weltkrieg nicht zerstört wurde, ist bestens saniert. Auch für das Schloss wurde eine Lösung gefunden, es beherbergt das Rathaus. Mir schien allerdings die Einkehrmöglichkeit in der Altstadt recht beschränkt zu sein und was die Koffer- Aufbewahrung betrifft: Sie ist wegrationalisiert gemeinsam mit dem Bahnhofsgebäude.

In vollen Zügen fuhren wir fast pünktlich und recht flott wieder in die Hauptstadt zurück.

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Rechte der Fotos: Scheddin

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Gründerzeitviertel - saniert und von Bevölkerung und Gästen voll angenommen. Es ist noch leer, weil wir recht früh hier unterwegs waren...